Russenkaninchen



Herkunft

Der Rassename Russen lässt vermuten, dass diese Kaninchenrasse in Russland ihren Ursprung hat. Aber in reinrassiger Form, wie man sie heute kennt, stammt sie aus Großbritannien. Dieses Land ist nicht nur die Wiege vieler Kaninchenrassen, sondern hat auch viele Nagetierrassen, insbesondere deren Farbvarianten, hervorgebracht.
Russenkaninchen, oder besser gesagt Kaninchen mit den auffallenden Abzeichen dieser Rasse, haben eine lange Geschichte. Derartige Tiere kamen schon vor Hunderten von Jahren in China vor, wo sie als Fruchtbarkeitssymbol galten und zum Jahresanfang den Göttern geopfert wurden. Es gibt auch Veröffentlichungen, die berichten, dass Kaninchen mit nahezu weißem Körper und dunkel gefärbter Schnauze sowie dunkel gefärbten Ohren und Läufen in Russland wild vorkamen.
Auf welche Weise diese Kaninchen mit den auffallenden Abzeichen schließlich nach Großbritannien gekommen sind, ist unklar. In verschiedenen älteren Quellen wird behauptet, sie seien von englischen Seefahrern aus dem Himalaja mitgebracht worden. Auffallenderweise wird dies auch von der Siamkatze behauptet, die ähnliche Abzeichen wie das Russenkaninchen aufweist, jedoch eine andere Augenfarbe hat.
Diese bruchstückhaften Informationen haben dazu geführt, dass die Rasse im Lauf der Zeit unterschiedlichste Namen getragen hat. Sie war zum Beispiel als polnisches, chinesisches und afrikanisches Kaninchen sowie als Himalaja-Kaninchen und als Egyptian Smut bekannt.
Wie auch immer die Geschichte des Russenkaninchens verlaufen ist, mit Sicherheit wurde die Rasse Mitte des 19. Jahrhunderts in Großbritannien unter dem Namen "Himalayan" gezüchtet, einem noch heute gebräuchlichen Namen.
Ungefähr zur selben Zeit züchteten die Franzosen eine gleiche Kaninchenrasse, die nach Aussagen mehrerer Wissenschaftler keine einzige verwandschaftliche Verbindung zu den britischen Tieren, also einen ganz anderen Ursprung hat.
Die ersten Russenkaninchen waren schwarz gezeichnet. Auch später, als die anderen Farben aufkamen, blieb Schwarz die beliebteste, da sie den besten Kontrast zum rein weißen Fell bildet.

Eigenschaften

Russenkaninchen sind überwiegend ruhige und zutrauliche Tiere. Anfangs war die Rasse vor allem ihres Fells wegen begehrt, heute wird sie überwiegend zu Ausstellungszwecken gezüchtet.
Das Russenkaninchen kommt in allen Ländern, in denen es Kaninchenfreunde gibt, vor und ist auf jeder Kaninchenausstellung zu sehen. Diese kleine Rasse ist allerdings nicht nur in Züchterkreisen beliebt. Wegen ihres ausgeglichenen Charakters, ihrer "handlichen" Größe und der besonderen Farbzeichnung ist sie als Heimtier bestens geeignet.

Körperliche Merkmale

Russenkaninchen haben einen zierlichen und leicht gedrungenen Körper. Die Brust ist breit, die Rückenlinie verläuft gleichmäßig und der Hinterleib ist fließend abgerundet. Die Läufe sind relativ lang und schlank. Der Kopf passt von der Form her gut zum Körper, an dem er dicht anliegt. Er ist lang und nicht zu breit. Die fleischigen Ohren sind gut behaart, stehen aufrecht und haben eine durchschnittliche Länge von 9 Zentimetern. Bezüglich des Gewichts ist der Rassestandard auf internationaler Ebene nicht einheitlich. In Deutschland gilt ein Gewicht von 2,25 bis höchstens 3 Kilogramm.

Fell

Russenkaninchen haben ein kurzhaariges (2 bis 3 Zentimeter), dichtes und am Körper anliegendes Fell,
das sich weich anfühlt.

Farben

Die spezifische Körperfarbe der Russenkaninchen ist die Folge einer Farbmutation. Die wirkliche Farbe des Tiers zeigt sich durch den Einfluss dieses rezessiven Gens nur an bestimmten Körperpartien: an Ohren, Schnauze, Läufen und Blume. Die Farbe entsteht nur an den kälteren, weniger durchbluteten Körperstellen. Zur Zeit werden vor allem Tiere mit schwarzen Abzeichen ausgestellt, aber auch blaue und havannafarbene Exemplare kommen vor. Außerdem gibt es auch lilafarbene und solche mit gesilberten Abzeichen an den Extremitäten. Diese Tiere sind jedoch äußerst selten und Russenkaninchen mit havanna- und lilafarbenen Abzeichen gibt es ausschließlich in Großbritannien und den USA.
Durch das Einkreuzen anderer Kaninchen -mit anderen Fellfarben- gibt es an Läufen, Schnauze, Ohren und Blume im Grunde jede Farbe. Die Augenfarbe bleibt immer kräftig rosa, die Krallen der Tiere sind dunkelbraun.

Abzeichen

Russenkaninchen zeigen ihre Farbe nur an Ohren, Schnauze, Läufen und Blume. Ein gutes Ausstellungstier hat an der Schnauze eine ovale Zeichnung, die bis zum Unterkiefer reicht. Anders gefärbte Häärchen oder eine unsymmetrische Begrenzung der Maske, wie man die Zeichnung an der Schnauze nennt, führen auf Ausstellungen zu Punktanzügen. Die dunkle Ohrfarbe beginnt schon am Ohransatz und muss, genau wie die Maske, scharf begrenzt sein. Die Körperzeichnung bilden Vorder- und Hinterläufe sowie die Blume.
Russenkaninchen kommen weiß oder mausgrau auf die Welt. Die dunklen Abzeichen entwickeln sich erst nach einigen Wochen. Erst wenn ein Russenkaninchen ungefähr ein halbes Jahr alt ist, kann man Aussagen über Größe und Intensität seiner Abzeichen wagen. Trotzdem unterliegt die Farbe noch Veränderungen. Unter Einfluss von Kälte sind die entsprechenden Körperpartien dunkler gefärbt, was man auf Ausstellungen gerne sieht, während sie im Sommer wesentlich heller sind. Wenn diese Kaninchen in den weißen Bereichen ihres Fells eine Wunde haben, dann wachsen an dieser Stelle dunkle Haare nach. Den gleichen Effekt erreicht man, wenn man das Fell stutzt. Auf Ausstellungen ist dieses Vorgehen jedoch verpönt.
Charakteristischerweise bekommen ältere Tiere Ringe um die Augen. Bei manchen anderen Rassen sind Augenringe obligatorisch, aber bei Russenkaninchen gelten sie als Fehler.

Besonderheiten

Es gibt auch eine große Version des Russenkaninchens, die Großen Russen. Diese Tiere gelten als Fleischrasse und erinnern auf den ersten Blick an das Kalifornierkaninchen, sie sind jedoch wesentlich eleganter.
Der Körper der Großen Russen ist leicht gedrungen und blockig. Das Gewicht schwankt zwischen 3,5 und 5 Kilogramm. Große Russen werden vereinzelt in einigen europäischen Ländern gezüchtet.

Danke

Textausschnitte mit freundlicher Genehmigung der NEBEL VERLAG GmbH
"Kaninchen und Nagetiere Enzyklopädie" sowie der Autorin Esther Verhoef-Verhallen
Fotos mit freundlicher Genehmigung von Herrn Michael Budde



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